Verbotene Liebe
Die Fotografien von Peter Freitag erinnern an die glatte Schönheit
von
Werbung und Soaps. Wären da nur nicht diese seltsamen Störungen.
aus:U-Mag 02/08, S.68ff, Januar 2008
anlässlich der Ausstellungen:
2. 2. – 8. 3.: Einzelausstellung „Private“, Galerie
Caesar & Koba, Hamburg
2. 2. – 15. 3.: Gruppenausstellung „Depot 14“, Krammig
& Pepper Contemporary, Berlin
12.1. – 9. 2.: Gruppenausstellung „Wunderlust Berlin“,
Paul Kopeikin Gallery, Los Angeles

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Filmbilder. Blicke hinter dunklen Sonnenbrillen, ein Schrei, ein übertriebenes
Grinsen in die Kamera. Tausendmal gesehen. Aber etwas irritiert an Peter
Freitags Fotoserie "Scenes for Life": Mal ist ein Hintergrund
verwischt, mal wirkt ein Körper wie doppelt belichtet, mal ragt eine
Störung in die cleane Bildinszenierung hinein.
In Wahrheit sind Peter Freitags Fotografien keine Standbilder aus klischeebeladenen
Hollywoodfilmen, es sind in erster Linie: Bastelarbeiten. Der Fotograf
arbeitet zunächst mit Schere und Klebstoff, schneidet Models aus
x-beliebigen Versandhauskatalogen aus und stellt sie in Miniaturkulissen,
deren Möbel ebenfalls Katalogen entstammen. Das so entstandene Minisetting
leuchtet er professionell aus,um schließlich ein Foto des Arrangements
zu machen. Das Ergebnis sind schöne Menschen in perfekt gestylter
Umgebung, während die angesprochenen Fehler zwar nicht bewusst eingesetzt,
aber in Kauf genommen werden. Die Aufnahmen erhalten so einen handgemachten
Charme, der mit der Kälte und Emotionslosigkeit der Katalogvorlagen
kontrastiert.
Peter Freitag zitiertWerbung, Film, auch Fernsehen. Und hier vor allem
Soaps, die für ihn das bewegte Pendant der Versandhauskataloge darstellen.
"Es wird versucht, die Interieurs so zu inszenieren, dass sie aussehen
wie ein privater Raum", erklärt der 35-Jährige die gleichzeitig
ausgeklügelte wie künstliche Anmutung der Katalogsettings. "Aber
in so einer Inszenierung ist doch alles wie aus einem Guss und wirkt relativ
steril. Die Models sind auch alle schön und gut eingekleidet. So
ähnlich ist das auch in einer TV-Soap, da tun sie auch so, als wären
sie Leute wie du und ich, aber irgendwie ist doch alles sauberer als im
wirklichen Leben." Allerdings: Weder übernimmt Freitag die glatte
Oberflächenästhetik bedenkenlos, noch ist er glühender
Kritiker. "Es soll nicht kritisch sein im Sinne von: Das böse
Fernsehen macht uns dumm. Aber ich nehme wahr, dass uns mehr oder weniger
heile Welten vorgesetzt werden, dass das Leben wie eine Collage wird und
dass man manchmal am eigenen Leben merkt, wie man Schnipsel aus einem
Film oder einer TV-Soap übernimmt."
Freitag ist im fränkischen Ochsenfurt geboren, heute lebt er in
Berlin, hat aber auch ein Jahr in Chicago studiert. Diese Nähe zum
nordamerikanischen Kunstverständnis spürt man bei "Scenes
for Life": "Man muss dort meine Arbeiten nicht so intensiv rechtfertigen
wie in Europa", sagt Freitag, der im Studium häufig mit der
Aussage konfrontiert wurde, Kataloge seien nicht kunstfähig, da Werbung
bekanntermaßen lüge. "Das weiß ich auch, dass uns
die Werbung belügt. Aber auch wenn ich es mir jeden Tag bewusst mache,
tappe ich trotzdem immer wieder in diese Falle und vielleicht auch ganz
gern." Nordamerikaner hätten da einen viel direkteren Zugang.
"Die können einfach sagen: Werbung ist etwas, das mich jeden
Tag penetriert. Und meine Arbeiten sind schöne Bildaussagen dazu,
die zwar keinen Anspruch auf Endgültigkeit haben und vielleicht auch
keine tief greifende Kritik üben – die aber auf kleine Fragen
stoßen, die einen vielleicht mit anderem Blick durch die Welt gehen
lassen."
Falk Schreiber
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